Chorleitung – was ist das ?

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  Was ein Chorsänger wissen muss!

Stichworte und Begriffe

Was ist eigentlich „Chorleitung“

                        Chorleiter – Chordirigent

Dirigieren, lat. dirigere leiten hat es im Chorsingen immer schon gegeben. Als es noch keine Notenschrift gab, hatte der Chorleiter die Aufgabe, die Tonhöhe der Gesänge mit der Hand anzuzeigen. Auch für den rhythmischen Zusammenhang hatte der Dirigent zu sorgen. Das Takthalten wurde durch Klopfen mit einem Stab auf dem Boden oder durch Bewegen mit einem Tuch bewirkt. Die geistige und seelische Anfeuerung kam noch hinzu. Mehrere Dirigenten benötigte man für die prächtige, mehrchörige Chormusik, die in den großen Kathedralen auch räumlich getrennte Aufstellung fand. Seit alters her war der Chorleiter aber auch verantwortlich für die Qualität des Singens, das heißt für die Ausbildung der ihm anvertrauten Sänger. All diese Aufgaben übernahm der Kantor. Er war verantwortlich für die Kirchenmusik. Als Zeichen seiner Würde erhielt er Stab und Kantorenkappe. Er war in den Lateinschulen nach Rektor und Konrektor im Rang der dritte Lehrer. Er hatte vielfach eine akademische Ausbildung und mußte daher auch wissenschaftliche Fächer unterrichten. Da im 17. Und 18. Jahrhundert der Chorgesang in den meisten Fällen instrumental begleitet wurde, leitete der Kantor in dieser Zeit den Chor vom Cembalo aus. Als „Director musices“ hatten Kantoren in den großen Städten vielfach die Verantwortung für das städtische Musikleben.

Als sich das städtische Musikleben von Grund auf wandelte, verlor der Kantor und auch die Chormusik ihre hohe Rangordnung zugunsten der Instrumentalmusik, Oper und Konzert. Die Entwicklung des bürgerlichen Chorwesens im 19. Jahrhundert brachte den Chordirigenten hervor. Schullehrer als Chordirigent und Organist haben einen unschätzbaren Dienst am Chorwesen geleistet. Sie waren vielfach Träger und Verbreiter des vereinsmäßig organisierten Singens bis in die kleinsten Dörfer Deutschlands.

Der heutige Chorleiter wird in den meisten Fällen nicht der Dirigent seiner eigenen Werke sein, wie oftmals in früheren Zeiten, sondern der Interpret fremder Werke. Er kann aus dem reichen Schatz einer Jahrhunderte alten Chortradition schöpfen. Der Bogen spannt sich von den alten Meistern über Barockmusik, Klassik, Romantik bis zur zeitgenössischen Musik.. Er kann sich der a-cappella Musik widmen oder die großen instrumental begleiteten Chorwerke wie Oratorium und Kantate zur Aufführung bringen. Diese Vielfalt erfordert vom Chorleiter Kenntnisse über die musikalischen Stile und ihre Epochen.

Die heute allgemein üblichen Schlagfiguren haben sich nach und nach entwickelt, wobei sie beim Chordirigent oft weniger präzise und genau erfolgen. Wenn der Chor mit Instrumentalisten musiziert, kann das zu Konflikten führen.

Natürlich kann ein Chorsatz in verschiedener Weise vorgetragen werden, je nach Auffassung des Interpreten. Es ist nicht möglich, die individuelle Auffassung der Chorsänger zu berücksichtigen. Der eigentliche Interpret ist der Chorleiter. Von seinem Geschick hängt es ab, ob er in der Probenarbeit die Sänger von seiner Auffassung überzeugen kann. In den Proben kann er erklären, vorsingen und vorspielen. Bei der Aufführung bleibt nur die geräuschlose Gestik und das Dirigieren.

Der Chorleiter hat einen großen Einfluß auf die Leistungsfähigkeit seines Chores. Von ihm werden vielfältige Fähigkeiten verlangt wie: Solide musikalische Ausbildung, Organisationsgeschick, pädagogische Fähigkeiten, menschliches Einfühlungsvermögen. Er muß es verstehen, sein Engagement, seine Liebe und Freude an der Musik motivierend auf die Chorsänger zu übertragen.

Kurt Thomas Ausspruch: „Es gibt keine schlechten Chöre, sondern nur schlechte Chorleiter“ ist überspitzt formuliert, hat aber durchaus seine Berechtigung.

Beitrag entnommen meinem Lehrwerk Chorschule

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